Eine shanghaier Qipao-Welt in Hamburg

Eine shanghaier Qipao-Welt in Hamburg

Shikumen im alten Shanghai: zwei Damen im Qipao gekleidet und altmodisch geschminkt, jeweils mit einem Becher Tee und einem Fächer in der Hand; zwei Kinder amüsieren sich mit Majiang-Steinen am Tisch und schauen sich gelegentlich den Drachen am Himmel an; ein anderes Kleinkind lässt sich von einer Glaskugel auf dem Boden begeistern; Links unten auf dem Bild ist eine junge Dame, die entspannt auf dem Liegestuhl sitzt, mit halboffenen Augen und Knöpfen an ihrem Qipao; das Baby neben ihr hat ein traditionelles Schürzchen an, scheint gerade gegessen zu haben und spielt fröhlich mit seiner Klapper……Die Chefreporterin von GALA, Anne Meyer-Minneman, hat sich bei der Betrachtung des Bildes (Shikumen-Komplex) Zeit gelassen. Das Bild, sagt sie, vermittelt ein friedliches und gleichzeitig fröhliches Gefühl. „Als würde man die Luft des lebendigen Alltags in Shanghai direkt riechen können“ (Shikumen-Komplex) ist eines der Werke aus der Kunstausstellung „Qipao-Welten“ des Malers LI Shoubai aus Shanghai, die am 03.08 in Hamburg eröffnet wurde. 

 

Der Leo-Lippmann-Saal (Foto: M. Feith)

Li Shoubai, Präsidentin Agnes-E. Schöttler, Senator Dr. Peter Tschentscher und Genearlkonsul Yang Huiqun (Foto: Lucy Li)

Die Vernissage begabb um 15 Uhr in der Finanzbehörde der Stadt Hamburg, Ausgestellt werden insgesamt 50 Werke von LI Shoubai, inklusive 30 Bilder in Heavy Color Technik und 20 Papierschnitte. Türrahmen aus Stein, Türen aus schwarzem Eisenholz – die lokale Bauart „Shikumen“ aus Shanghai dient als zentrales Thema seiner künstlerischen Arbeiten. In den Bildern sind Damen im Qipao zu sehen, die die traditionelle Ästhetik der Stadt Shanghai repräsentieren sollen. Die Vernissage wurde von der Hamburger China-Gesellschaft veranstaltet. Der Finanzsenator der Stadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher, gab als Erster seine Gratulation ab und meinte, Shikumen stand in den 20er bis 30er Jahren für einen Baustil im Stadtzentrum von Shanghai. Heute kann dieser Baustil, dank des künstlerisch freien Geistes und der Erlebnisse vor Ort, wieder zum Ausdruck gebracht werden. „Die Werke von LI Shoubai spiegeln die Schönheit eines Zeitalters wider, die wir heute kaum noch zu sehen bekommen.“ Anschließend hielt auch der Generalkonsul der Volksrepublik China in Hamburg YANG Huiqun eine Ansprache.

 

Er betonte den immer häufiger werdenden Austausch zwischen China und Deutschland, sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Bereich. Bundeskanzlerin Merkel plant bereits ihren zweiten Besuch in diesem Jahr in der Volksrepublik, nachdem sie im Februar den ersten unternommen und im April den chinesischen Kanzler WEN Jiabao in Deutschland empfangen hat. Ein Jahr mit zwei Kanzlerbesuchen in China ist ein absoluter Einzelfall in der gesamten diplomatischen Geschichte der Bundesrepublik. Gleichzeitig nimmt der Kulturaustausch zwischen beiden Völkern auch immer mehr an Bedeutung zu. Zusammen mit der vierten „China Time“ in Hamburg und dem Kulturjahr Chinas feiert Deutschland dieses Jahr das 40. Jubiläum der diplomatischen Beziehung der beiden Länder. Von daher erwischt die Ausstellung des Künstler LI Shoubai die Stadt Hamburg gerade zu dem richtigen Zeitpunkt. Auf der Eröffnung hat Herr LI etliche Interviews mit Journalisten und Gespräche mit Besuchern geführt.

 

 

Senator Dr. Tschentscher (Foto: Lucy Li)

Feierliche Eröffnung unter den wohlwollenden Blicken des Meisters (Foto: C. Michel)

Er teilte mit, dass die Kultur Shanghais eine vielschichtige Mischung der ostasiatischen und westlichen Traditionen ist. Durch seine Kunstausstellung erhofft er, mehr Europäern den intellektuellen Geist von Shanghai zum Verständnis zu bringen. „Ich möchte den Hamburgern zeigen, wie die Shanghaier ihr Leben führen und wie elegant, bezaubernd, klug und kompetent die Shanghaier Damen sind, die hier in Qipao dargestellt werden.“

An der Eröffnung nahmen über 200 Besucher teil, inklusive eine Kulturdelegation mit 6 Beamten aus der Regierung des Bezirks Huangpu von Shanghai. Die Ausstellung hat sowohl Zuschauer aus Hamburg als auch aus Shanghai positiv beeindruckt. Die Kunst von LI Shoubai verbindet Maltechniken aus China und aus der westlichen Tradition. Er verwendet Farbkonstellationen aus der traditionellen chinesischen Malerei und dazu einige Schattierungen aus der westlichen Malerei, um gezeichnete Figuren und die Architektur dreidimensional darzustellen.

 

Ein Besucher meinte: “Shanghai und Hamburg sind beide Städte mit sehr starken Handelstraditionen. Der Künstler LI Shoubai aus Shanghai lässt jeden Betrachter seiner Werke in eine friedliche, freundliche Atmosphäre eintauchen, als wäre ein vergänglicher Moment der Zeit dadurch festgehalten.“

Die gleiche Ansicht teilt die Malerin und Autorin TAN Luping, die seit 28 Jahren in Hamburg ansässig ist. Sie bezeichnet die Werke von LI Shoubai als eine Mischung aus Tradition und Moderne. Ein Bild erinnere sie an die berühmte buddhistische Wandmalerei in Dunhuang. „So überfüllt das Leben des modernen Menschen auch sein mag, er hat immer noch die Sehnsucht nach einem ruhigen, friedlichen Lebensrhythmus.“ Ebenfalls erwähnenswert ist die Räumlichkeit der Ausstellung, welche sich in der Finanzbehörde der Hansestadt Hamburg befindet. Das Gebäude wurde in den 1920er Jahren, etwa zu der gleichen Zeit wie die „Shikumen“, nach dem Konzept des prominenten Hamburger Architekten Fritz Schumacher gebaut. Es steht für den typisch hamburgischen Backstein-Baustil.

 

 

Genearlkonsul Yang Huiqun und Vize-Präsident Chen Qiuyi (Foto: Dong Shen)