Neues von der Guangping-Grundschule 2010

Neues von der Guangping-Grundschule 2010

Als vor 29 Monaten die Erde in Guangping bebte und den größten Teil der Guangping-Grundschule zerstörte, war die Not vor Ort groß. Doch dank der Hamburger China-Gesellschaft e.V. (HCG) rückte diese Schule, fernab in den Bergen der Provinz Sichuan, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Durch die große Spende der HCG 2008 konnte für die Kinder, Lehrer und Angestellten eine Mensa gebaut werden. Und mit einer weiteren Spende der HCG 2009, wurde weiterer Aufbau geleistet.. 240 Kinder finden hier Platz. Da gilt es halt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Meistens wird in zwei Schichten gegessen, oder die Kinder machen es sich bei schönem Wetter auf dem frisch angelegten schönen Schulhof bequem. Durch die große Aufmerksamkeit aus Hamburg wurde auch das Augenmerk der Regierenden in China auf diese Schule gerichtet, und sie ist besser aufgebaut worden als vor dem Erdbeben. 

 

 

 

Die Provinz Heilongjiang stiftete das Unterrichtsgebäude, die Provinzregierung Sichuans ließ ein Wohnheim für die Schüler errichten, die nicht täglich nach Hause fahren können. Das alte Gebäude, das als Notwohnheim nach dem Erdbeben diente, ist renoviert worden, und hat statt des Flachdaches ein Spitzdach bekommen. Hierin sind nun Klassenzimmer für die älteren Schüler und Lehrerzimmer entstanden. Es gibt ausreichend Platz für die 578 Kinder. Seit meinem Besuch im letzten Jahr hat sich die Schülerzahl stark verringert. Jetzt macht sich die Ein-Kind-Politik Chinas bemerkbar. Fast 200 Kinder haben nach der 9. Klasse die Schule verlassen, um zur Mittelschule (bei uns Gymnasium) zu gehen oder in einen Beruf zu starten. Nur knapp 100 Kinder sind nachgewachsen. In den neun Klassenräumen lernen je 43 bis 49 Kinder. Auch für die Internatskinder gibt es mehr Platz. Je acht Kinder teilen sich einen Raum im neuen Wohnheim. Jedes Kind hat nun sein eigenes Bett. 

 

Da es nicht mehr so viele Schüler gibt, sind auch einige Lehrer an andere Schulen versetzt worden. Heute unterrichten 36 Lehrer die 578 Schüler, sechs Angestellte kümmern sich um das leibliche Wohl und schauen ansonsten nach dem Rechten. Die Kinder zahlen kein Schul- und Wohngeld. Jährlich bekommen die Eltern 700,00 Yuan vom Staat für Verpflegung. Essen die Kinder in der Schule, müssen sie dafür 6,00 Yuan pro Tag bezahlen. Die Kinder, die zuhause essen, bezahlen nichts. 20,00 Yuan werden zweimal im Jahr fällig für Papier und Stifte, Bücher sind frei.

Im Dezember 2009 hatten sich spontan 32 Schüler aller Altersgruppen und die Lehrerin He Pingrong zusammengetan, und die Arbeitsgruppe Deutschland gebildet. Durch die HCG ist ein Fenster aufgestoßen worden, das den Kindern nach der Isolation in den Bergen, den Blick in die Ferne auftut. 

 

 

 

Der Raum ist geschmückt mit den „Hamburgbildern“, die wir im letzten Jahr mitgebracht hatten, und viele Erinnerungsfotos erzählen von unseren Besuchen hier. Da ich noch einmal eine HCG-Spende über 900,00 Euro an Herrn Direktor Deng Shuting für die Schule überreichen konnte, wollte ich auch gerne wissen, was mit dem Geld geschehen solle. Die Antwort kam spontan: Wir möchten das Geld für die Interessengruppe Deutschland verwenden, denn wir möchten gerne einen Deutschlehrer haben, mit dem wir die deutsche Sprache erlernen können, und der uns viel über die deutsche Kultur und Geschichte beibringt.

Als ich 2008 nach dem Erdbeben zum ersten Male nach Guangping kam, hatten die Menschen hier noch keinen Ausländer gesehen, heute ist eine Neugier erwacht, die es gilt mit unserer Hilfe zu stillen. Dazu gehört auch die menschliche Zuwendung. Ich habe so viel Glück und Freude durch diese Kinder erfahren und versprach, in einem Jahr wiederzukommen.

 

Autorin: Carla Michel (Ehrenmitglied der HCG)